"Von Angst getrieben" | Katrin Praher (D2, 1. Lgr.)

,,Komm doch, " meinte Opa Hans und öffnete die Tür. ,, Ich komm schon, " rief ich und raste die Treppe hinunter. ,,Schnell noch die Winterjacke an und dann ab nach draußen ," dachte ich und schlüpfte in die Stiefel.

Weil mein Vater krank war und meine Mutter keine Zeit hatte, stiefelte ich mit meinem Opa in den Wald, um eine schöne Tanne für Weihnachten zu besorgen .Der Schnee war schon so hoch, dass er knapp unter meine Winterstiefel reichte. Am Himmel hingen schwere, dunkle Wolken. Aber weil in ein paar Tagen Weihnachten war, konnten wir nicht länger warten. Also stapften wir bis zu einem großen Wald, den ich vorher noch nie gesehen hatte. Er war ziemlich dicht und dunkel, mich befiel ein mulmiges Gefühl. ,,Aber ich bin ja nicht alleine, also brauchte ich keine Angst zu haben", redete ich mir leise zu. Wir marschierten also in den finsteren Wald und sahen viele große Bäume, aber keiner war für einen Christbaum passend. Opa meinte: ,, Tiefer im Wald sind kleinere Bäume!" Trotz meines unangenehmen Gefühls trottete ich hinter ihm her. Der Wald war ziemlich groß und Opa schlug vor: ,, Ich gehe in diese und du in die andere Richtung. Ich widersprach ihm nicht, also marschierte ich nach rechts und er nach links. Ich stapfte durch den tiefen Schnee und konnte aber keinen kleinen Baum finden. Mittlerweile wurde es immer nebliger und düsterer. Meine Knie schlotterten schon ein wenig und ich war müde und jetzt fing es auch noch zu schneien an.

,,Jetzt will ich wieder zu Opa", denke ich und kehre um. Der Schnee reicht schon fast bis zu meinen Knien und es ist Kräfte raubend sich durchzukämpfen. Ich versuche zu laufen, schneller zu sein. Doch es klappt nicht sonderlich gut und raubt mir meine Kraft. Aber was bleibt mir anderes übrig? Die Verzweiflung treibt mich weiter. Nichts kommt mir bekannt vor, alles scheint fremd. Die Bäume kommen mir wie dunkle Gestalten vor, die Äste wie Hände, die nach mir greifen. Der Wind wird stärker, der Nebel dichter, der Schnee höher. Mein Herz pocht laut und ich bin den Tränen nahe. Aus Leibeskräften schreie ich: „Opa, Opa, Opa!" Doch meine Stimme wird durch den starken Wind gedämpft und mir kommt es vor, als würde sie der Wald verschlingen. Hilflos und erschöpft sinke ich heulend im Schnee nieder. Wie ein Häufchen Elend fühle ich mich, verlassen und klein. Plötzlich höre ich ein Geräusch. Zaghaft blicke ich mich um. Eine dunkle, große Gestalt kommt auf mich zu. Augenblicklich richte ich mich auf und beginne zu rennen. Meine Beine scheinen wie von selbst zu laufen von der Angst getrieben. Doch ich spüre die Gestalt schon hinter mir. Eine große, kalte Hand packt mich an der Schulter. Ich zucke zusammen und schließe die Augen. ,,Jetzt ist alle aus", denke ich. Mein Herz scheint stillzustehen. Alles um mich verschwimmt. Ein Windhauch streift über meine Wange. Und plötzlich diese vertraute Stimme. 

Ich drehte mich um und blickte in braune, klare Augen. Mein Kopf begann wieder zu klar zu werden und ich falle in Opas Arme. Dieses Abenteuer werde ich sich nicht vergessen.

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