"Die Gestalt im Nebel" | Maximilian Gabriel (D2, 1. Lgr.)

„Möchtest du mit mir heute im Wald einen Christbaum holen?“, fragte mich mein Papa an einem nebeligen, kalten Wintertag. Darauf hin antwortete ich: „Aber natürlich, es dauert doch nur noch vier Tage bis Weihnachten.“ Blitzschnell sprang ich auf, zog mir einen Anorak, Handschuhe, warme Stiefel und eine Haube an und wir konnten los gehen.

Als wir am Waldrand ankamen, erschien mir der Wald völlig fremd und unheimlich, da wir viele Eulen und das Pfeifen des Windes hören konnten. Erst wollte ich gar nicht weitergehen, doch die Neugierde überkam mich und ich stapfte mit meinem Papa hinein. Im Wald konnten wir wegen des Nebels nicht viel erkennen und es fiel uns sehr schwer, die Orientierung zu behalten. Der Sturm wurde immer schlimmer und langsam bekam ich es mit der Angst zu tun.  „Ach Maxi!“, dachte ich mir, „Papa ist doch bei dir.“ Dann wurde es aber erst richtig schlimm, als es auf einmal zu schneien begann. Je weiter wir in den Wald vordrangen, umso dichter und unheimlicher wurde er, und als ich mich einmal umdrehte, war Papa plötzlich weg. 

„Papa! Papa! Papa! Wo bist du?“, schreie ich laut. Auf einmal wird es ganz still um mich, ich höre nur noch meinen Atem und mein Herz, das wie wild schlägt. Ich suche weiter nach ihm, vergebens, ich bin zu erschöpft, um weiter in dem kniehohen Schnee zu stapfen. Aber was soll ich sonst tun? Deshalb marschiere ich weiter. Ich bin am Ende meiner Kräfte und will nur noch liegen bleiben, als plötzlich ein Schatten im Nebel auftaucht. Näher und näher bewegt sich der Schatten in meine Richtung. Mir wird mulmig zu Mute, ein Schauer läuft mir über den Rücken: „Ist es jetzt mit mir vorbei?“,schießt es mir durch den Kopf. Wie ein Nichts fühle ich mich: allein im Schnee und nun auch noch diese dunkle Gestalt. Zwei funkelnde Punkte starren mit an. Tränen quellen aus meinen Augen, ich kann nicht mehr hinschauen. Auf einmal dringen merkwürdige Geräusche an mein Ohr. Langsam schaue ich auf und vor mir steht ein Reh. 

„Haha!“, ich brach in schallendes Gelächter aus, und vergesse sogar für kurze Zeit, dass mein Papa verschwunden war. „Maxi!“, rief eine vertraute Stimme. „Papa? Bist du das?“, fragte ich, während ich mich umdrehte. Und es war auch mein Vater, dem ich gleich in die Arme fiel und flüsterte: „Ich dachte, dass ich dich verloren habe.“ Darauf erzählte er mir, dass er sich kurz umgedreht hatte und ich dann verschwunden war.

Aber ich war nur froh, dass wir einander wieder gefunden hatten. 

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